hasler paeffgen berger

WERNER HASLER - trumpet / electronica
GILBERT PAEFFGEN - drums
KARL BERGER - vibraphone

NOTES 1
CABH
HOLTONDIMISI
LOMALLET CUT
 

Das elektrifiziert akustische Trio mit HASLER PAEFFGEN BERGER vereint einige Welten in sich.
Das Aufeinandertreffen von Elektronik und rein akustischen Klängen erhält im Trio von Hasler, Paeffgen und Berger neue Aktualitaet und Dringlichkeit.
Geschichten werden hier im Jazzidiom erzaehlt: ausgehend von einer groovebetonten Basis wird hier über und auch mit rhythmischen Verschachtelungen und Themen improvisiert. Die gespielten Kompositionen basieren hauptsächlich auf Skalen aus Obertonstrukturen Oktavteilungen und Parallelismen, Tonleitern, inspiriert von vermeintlich so gegensätzlichen Welten wie der orientalischen Maqamwelt wie auch der  Naturhörner der Alpenregion. Die Skalen sind nicht in unser Quintenzirkelsystem einzuordnen - das im europäisch und afroamerikanisch gängige Spiel über funktionsharmoniische Abläufe wird dadurch verunmöglicht.

Durch das Einbeziehen und Erforschen der musikalischen Umstände anderer Hintergründe (Gamelan, Maqam, Keltische Musik, Afrikanische Polyrhythmik) entsteht daher ein weites Feld für andere Spielarten der Interaktion und Stückentwicklung.

Das Trio bewegt sich –auch wegen dem natürlichen Einbezug von Elektronika– ausserhalb "weltmusikalischer" ethnozentristischer Exotismen und ist klanglich dem jungen neuen Jahrhundert – in dem auch bits und bytes eine tragende Rollen spielen– verpflichtet. Werner Hasler hat sich eindringlich mit Electronika befasst und arbeitet zur Zeit an Skalen aus Obertonstrukturen, Oktavteilungen und Parallelismen, sowie der orientalischen Maqamwelt. Gilbert Paeffgen pflegt ein assortiertes Schlagzeug vieler Klänge. Immer wieder in vielerlei musikalischen Zusammenhaengen auftauchend, vereint er seine engagierte Spielweise in perfekter Weise mit Groove und Interaktion. Karl Berger der sich früh und eingehend mit Musik der verschiedenen Kontinente auseinandergesetzt hat, versteht es, auf Gamelan Phrasen aufbauend, differenziert swingend, auf das wesentliche reduziert und sehr eindringlich zu improvisieren.

This CD combines two Berne, Switzerland-based musicians, Werner Hasler on trumpet and electronics and Gilbert Paeffgen on drums, with the veteran vibraphonist Karl Berger. The compositions are credited jointly to Hasler and Paeffgen, so the immediate concept is likely theirs, but it's an approach that Berger finds more than amenable. Hasler's specific interests in Middle Eastern musics often set the tone here: he's worked extensively with the Palestinian singer and oud player Kamilya Jubran and has spent time in Cairo studying maqam, the modal system common to much Arabic music that in part fuels his interest in non-harmonic improvisation. His trumpet voice is a spare lyrical instrument focused on linear structure and melody of real power. The terrain is perfectly continuous with many of Berger's interests in rhythm and world music (from early collaborations with Don Cherry and the minimalism of All Kinds of Time, his 1976 duo recording with Dave Holland, to later dates with Bill Laswell) and he's constantly enriching this dialogue on fundamentals. Hasler's trumpet occasionally invokes Cherry or Miles Davis, but he can also play with an academic precision that emphasizes the formal components. While the instrumentation creates a rather narrow timbral spectrum, that may be an essential strategy, clarifying the sound for the complex rhythms and the detailed interaction of the eerie "Holtondimi" or the vibrant "Notes", which opens with some beautifully muezzin-like bending tones from Hasler's unaccompanied trumpet and then builds to a joyous, dancing collective improvisation before finally turning into an atmospheric drone in which Hasler's trumpet and electronics seem to operate on different sides of a figured screen. On brief pieces like "Metro DimDim" and "Spiralthing", with Hasler focusing on electronics, the group is virtually a percussion trio. Paeffgen is always an essential presence: collecting and expanding the rhythmic materials, he becomes the central voice on dialogues like "Wuammas". These sometimes sparse improvisations, focused on strong rhythms and melodic fundamentals, ultimately create a host of divergent moods.

All About Jazz / New York City Jazz Record 2011

É um dos gigantes do free jazz que reencontramos neste disco, hoje com raras aparições em disco e até ao vivo, tão envolvido tem estado com a revitalização do seu Creative Music Studio. Do vibrafonista Karl Berger se pode dizer que é uma lenda viva, tendo esta edição o suplementar inte- resse de dar conta da sua arte num contexto de contemporaneidade, que não de revisitação de formatos pas- sados. A seu lado estão dois músicos europeus bem mais jovens: o trompe- tista Werner Hasler, também respon- sável pelo trabalho electrónico que vai pontualmente surgindo, e o baterista Gilbert Paeffgen. O que fazem em trio tem todos os atributos do melhor jazz deste início de século: "groove", "drive", desenvoltura expressiva e abertura formal. É música de hoje com uma personalidade do passado que se mostra ainda virado para o futuro. Não acontece muitas vezes...

Jazz.PT #40 janeiro | fevereiro 2012 Rui Eduardo Paes

This is alternatingly subtle and bracing, free-floating and rhythmically driving music. Paeffgen plays some well conceived drum improvisations, Hasler's trumpet is engaging, his electronics colorful, and Berger is his always exploratory self throughout. I suppose this is chamber jazz, though it hardly matters what you call it on the level of the music itself. The sparseness of the instrumentation gives plenty of room for all three to collaborate dynamically, to use the space allocated to them for strongly creative interactions. The notes denote a fully healthy, fully concious musical animal. It is alive with vibrant improvisations restricted to no formal limitations. If you needed evidence that Karl Berger keeps trudging forward after so many years, here it is. He is unassumingly central, still. And the other two thirds of the trio are no less important to this music gem. I suppose this is chamber jazz, though it hardly matters what you call it on the level of the music itself. The sparseness of the instrumentation gives plenty of room for all three to collaborate dynamically, to use the space allocated to them for strongly creative interactions. The notes denote a fully healthy, fully concious musical animal. It is alive with vibrant improvisations restricted to no formal limitations. If you needed evidence that Karl Berger keeps trudging forward after so many years, here it is. He is unassumingly central, still. And the other two thirds of the trio are no less important to this music gem.

Friday, January 20, 2012 gapplegatemusicreview Gregory Applegate Edwards

Hochkonzentrierte Zukunftsmusik

Deutsch-schweizerisches Ensemble kombiniert Jazz und globale Musikkulturen

Was soll denn das? Jetzt kratzen und schaben, rumpeln und knarzen, flirren und fiebern die schon wieder so neumodern im Café Museum in Passau. Was erlauben die sich? Eine extra Erlaubnis braucht die deutsch-schweizerische Kooperation aus Karl Berger, Werner Hasler und Gilbert Paeffgen am Sonntagabend für ihre intensive Klangforschung wohl nicht. Sie nehmen sich einfach eine Freiheit, die eigentlich jedem zusteht, und treiben ihr Ding gezielt immer weiter voran, ein „Ding“, das für Berger (Vibrafon) und Paeffgen (Schlagzeug) schon seit Jahrzehnten läuft. Mit dem Trompeter Werner Hasler, der nebenbei noch Notebook, Mischpult und ein sogenanntes Chaos-Pad bedient, verbinden sie nun die disparatesten Töne und Rhythmen zu einem offen strukturierten, organisch-technischen Klangkörper, der quer zu allen gewöhnlichen Musikerfahrungen steht, der die Einflüsse der drei Musiker aus unzähligen globalen Musikkulturen, freier Musikszene und Jazz völlig neu kombiniert.
Für den Zuhörer erschließen sich die Regeln und inneren Abläufe einer solchen Musik natürlich nicht unmittelbar. Umso spannender wird es, wenn die Musiker nach relativ unübersichtlichen Abschnitten plötzlich punktgenau zusammenspielen und sich ein Stück gleichsam im Rückblick als Einheit zu erkennen gibt. Das macht neugierig auf mehr. Immer deutlicher treten Motive von Haslers präsenter und zugleich nachdenklicher Trompete oder von Paeffgens wuchtigem, exaktem Trommeln hervor. Dazwischen skizziert Berger ganz seriös flirrende Klangrätsel und oktavierte Abstiege. Da spielt sich im Hintergrund ein Elektrosound mit der Raumfrequenz des Kellergewölbes - es dröhnt und wummert, ohne auch nur ein bisschen laut zu sein. Es hat Rhythmus. Genau dosiert taucht ein Synthesizer-Sound auf, der einfach nur schön ist, oder eine kleine, seltsam karnevaleske Trompetenschleife. Schade, dass das Material, das sie mit diesen Live-Auftritten für die kommende Aufnahme 2010 erproben, nach einer Stunde mit acht Stücken schon erschöpft ist.
Andererseits nimmt man aus dieser dichten, hochkonzentrierten Zukunftsmusik derartig viele Eindrücke mit, dass sie sich Tage später noch im Gehirn auf unerwartete Weise entfalten können. Dieses Risiko muss man leider eingehen.

Frank Müller, PASSAUER NEUE PRESSE 16.12.2009

ESCHEN - Zum letzten Konzert in diesem Jahr lud Karl Gassner in die Tangente. Die Musik des Trios war von einem Aufenthalt in den arabischen Ländern geprägt.

Werner Hasler, Karl Berger und Gilbert Paeffgen vereinen mehrere akkustische Welten in sich. Mit Unterstützung der Liechtensteiner Kulturförderung konnte Werner Hasler das orientalische Maquam studieren und fand in Karl Berger und Gilbert Paeffgen die idealen Partner. Berger hat sich seit vielen Jahren mit der Musik der verschiedenen Kontinente auseinandergesetzt und versteht sehr eindringlich, aber auch reduziert zu improvisieren. Gilbert Paeffgen ist von afrikanischen und keltischen Rhythmen inspiriert. Er pflegt ein überaus sortiertes Schlagzeug und entwickelt eine riesige Klangpalette. Er überdeckt zeitweise seine Drums mit einer Decke und entlockt ihnen dumpfe Klangfarben.

Werner Hasler hat für sich eine besondere Klangpalette entwickelt, er bläst nicht nur seine Trompete, er scheint sich mit ihr mitteilen zu wollen. Die gespielten Kompositionen basieren auf Skalen aus Obertonstrukturen, Tonleitern und Klangwelten wie aus der orientalischen Maquammusik und den Naturhörnern aus der Alpenregion. In der arabischen und islamischen Musik bezeichnet Maquam bestimmte Tonleitern, mit denen jeweils unterschiedliche emotionale Gehalte verbunden werden. Maquam ist dem antiken Nomos und dem indischen Raga verwandt. Werner Hasler verwendet für seine Musik auch elektronische Hilfsmittel, Bits und Bytes spielen zeitweise eine wichtige, aber nicht bestimmende Rolle. Karl Berger ist der ruhende Pol in diesem Trio, seine Schläge am Vibraphon kommen exakt, haarscharf und scheinbar beliebig. Tatsache ist, dass sich der Altmeister an seine Notation hält und immer wieder zum Piano wechselt. Gilbert Paeffgen ist ein grosser Meister seiner Kunst. An seinen

Drums scheint er in eine andere Welt zu versinken, sein Variantenreichtum ist unerreichbar. Eine Reise mit Paeffgen führt zu überraschenden Klangerlebnissen. nicht nur das Hören, vielmehr das Zuschauen bringt jeden Augenblick neue Eindrücke und Erlebnisse. Neue akustische Welten öffnen sich, man lässt sich gemütlich zurücksinken, um in seinen Rhythmen zu verweilen. Die drei Musiker vereinnahmen ihr Publikum zur Gänze.

LIECHTENSTEINER VOLKSBLATT 13.12.2009

Jazz hoch drei

Fast beiläufig schütteln sie ihr Können aus dem Ärmel und sind doch hochkonzentriert bei der Sache. Gilbert Paeffgen am Schlagzeug, inspiriert von keltischen und afrikanischen Rhythmen, punktgenau. Nie zu laut, präsent und fesselnd. Werner Hasler an der Trompete, leidenschaftlich und doch ausgeglichen gibt er dem Trio die richtige Dosis an Bindung, fast wie ein Flechtwerk scheint sein Spiel. Und schließlich Karl Berger an Vibraphon und Piano, der Derwisch der Truppe. Mit weit über 70 Jahren sprüht er vor jugendlichem Charme, oft sehr minimalistisch, verspielt in seinem musikalischen Ausdruck verfügt er über die Fähigkeit, seine Freude am Jazz ohne Umwege ins Publikum zu schicken. Und die kommt an. Und wie!

HALLERTAU INFO 12.12.2009