susanna dill / gilbert paeffgen

SUSANNA DILL - Accordeon
GILBERT PAEFFGEN - Hackbrett

CAROL OF THE BELLS
TORCHELTAUCHER
MARKE TENDER
WOLKE
 

Zum aufregenden Duo finden sich die Accordeonistin Susanna Dill und der
Hackbrettspieler (und an anderen Orten Schlagzeuger) Gilbert Paeffgen zusammen.
Mit den beiden "urchigen" Instrumenten Hackbrett und Accordeon begeben sich die beiden
jenseits ausgetretener Pfade auf eine Reise voller Ueberraschungen und kleiner
charmanter Sensationen.
Mit ihrem fein gewobenen Zusammenspiel entführen sie in poetische Landschaften und evozieren
vor dem inneren Auge Bilder sinnlicher Klanglichkeit.

Lyrische Minimal Music auf Hackbrett und Akkordeon präsentieren Gilbert Paeffgen und Susanna Dill auf ihrer ersten CD.

Wenn im Band-Line-up ein Appenzeller Hackbrett und eine Handorgel auftauchen, dann darf in aller Regel etwas Zünftig-Lüpfiges gewärtigt werden. Nicht so, wenn hinter dem Hackbrett Gilbert Paeffgen steht und das Akkordeon von Susanna Dill bedient wird. Gemeinsam haben sie das bestrickende Album «Legendes d'hiver» eingespielt, und von Lüpfigkeit ist hier rein gar nichts zu vernehmen. Das ist besonders dem Berner Gilbert Paeffgen geschuldet. Unter seinen Händen wird das Appenzeller Hackbrett zu einem fast schon beklemmend düsteren Klanggenerator, zu einem raumfüllenden Begleit- oder zu einem melancholisch schallenden Soloinstrument. Darüber setzt Susanna Dill mal verträumte, etwas seltener jazzig-improvisierte Melodielinien.

Der Soundtrack zu einem imaginären Film

Das Urig-Schweizerische treiben Susanna Dill und Gilbert Paeffgen ihren Instrumenten aus, an die Stelle des Volkstümlichen tritt eine nicht zu verortende Lautmale rei, Melodien, die am ehesten in der Minimal Music fussen oder an die schwerblütige Verspieltheit eines Pascal Comelade erinnern. Zuweilen klingt das wie der Soundtrack zu einem imaginären Film, in dem ständig Winter herrscht und die Hauptdarsteller sich trotzdem poussierend näherkommen. Es ist eine anheimelnde und doch kühle Romantik, die in den zehn Liedern der beiden schwelt. Die meisten davon sind Eigenkompositionen, und zum Ausklang gibt es Eric Saties dahingetupftes Thema «Gymnopedie», quasi als Vorspann für den Winterschlaf. «Musik für die Wintersaison» nennen die beiden denn auch ihr erstes gemeinsames Tonwerk, das pünktlich zum Temperatursturz getauft wird.

"Der Bund" / Ane Hebeisen 02.02.2012

Konzert: Ihrer Zwiesprache möchte man ewig lauschen: Akkordeonistin Susanna Dill und Hackbrettler Gilbert Paeffgen taufen heute ihre verführerische CD im World Café Bern.

«Unbeschreiblich hier» muss sich der Berner Schlagzeuger und Hackbrettspieler Gilbert Paeffgen gefühlt haben, als er das gleichnamige Stück schrieb. Und schon bei den ersten, fein ziselierten, ja fast groovigen Rhythmen gibt man sich auch beim Zuhören ganz dem Augenblick, dem Hier und Jetzt hin. Nicht lange bleibt das Hackbrett allein – eine Flöte schmeichelt ihm in höchsten Tönen. Eine Flöte? Auf der CD «Legendes d'hiver» spielt keine Flöte mit – es ist vielmehr Susanna Dills Akkordeon, das sich jenseits von hiesigen Hörgewohnheiten vernehmen lässt.

Unerwartete Stilwechsel

Mal klingt das schwere Instrument nach einer Oboe, einem Fagott gar in den tiefen Lagen, mal nach leichten Streichern. Dazu lässt Paeffgen einen Schwarm Zugvögel von seinem Hackbrett auffliegen. Flattern, Flügelschlagen, eine weite nordische Landschaft: Man ist in seinem eigenen Film, wenn man dieser Musik lauscht. Nur einmal, in einem ukrainischen Traditional, heimelt Volkstümliches auch die alpine Seele an. Doch nicht für lange: Bald schon umgarnen sich die beiden Instrumente in reduziert repetitiven Tonschlaufen, wie sie für die Minimal Music typisch sind. Gilbert Paeffgen, der seit Jahren die klanglichen und perkussiven Möglichkeiten des Hackbretts auslotet, und Susanna Dill, die neben Akkordeon auch Schwyzerörgeli unterrichtet, gewinnen ihren traditionellen Instrumenten neue, überraschende Töne ab. Das Bestechende an ihrer Musik: die Selbstverständlichkeit, mit der sie die gegensätzlichen Elemente zusammenführen: das Quecksilber, das vom Hackbrett springt, und das klare Wasser im Fluss des Akkordeonspiels. Wer hat sie schon in so inspirierender Harmonie vereint gehört?

"Berner Zeitung" / Tina Uhlmann 02.02.2012

Soundtrack ohne Film – Légendes d'Hiver mit Gilbert Paeffgen
Hackbrettmusik aus der Schweiz hat immer etwas Besonderes, für deutsche Hörer Ungewöhnliches an sich. Ob dies an der größeren Experimentierfreudigkeit der Musiker, der Mentalität oder den hohen Bergen liegt, sei dahingestellt. Die CD "Légendes d'Hiver" (Winterlegenden) von Gilbert Paeffgen, Hackbrett, und Susanna Dill, Akkordeon, macht da keine Ausnahme, obwohl Paeffgen gebürtiger Würzburger ist.
Die neueste Scheibe des äußerst produktiven Schlagzeugers und Hackbrettspielers aus Bern hält, was der Titel besagt. Alle zehn Stücke, größtenteils Eigenkompositionen des Duos, drehen sich um die in der Schweiz so ausgeprägte, weiße Jahreszeit. Obwohl "Légendes d'Hiver" die erste CD der beiden Künstler ist, wirkt ihr Stil ausgereift und homogen und lässt sich am ehesten mit Yann Tiersen vergleichen. Paeffgens sich wiederholende, rhythmische Motive bilden die Grundlage für die lebhaften Stücke und lassen den Schnee vor dem geistigen Auge des Zuhörers glitzern. Darauf erzählt Susanna Dill mit einem wunderbar klaren und weichen Ton ihre farbenreichen Winterlegenden. Mal klingen sie freundlich und erinnern an bretonische Folklore, dann tauchen sie in sehnsüchtige Mollharmonien ab. Immer wieder mischen sich freitonale Klänge ein, ohne aber in zeitgenössische Musik der anstrengenden Art abzugleiten. Es entsteht vielmehr eine interessante, mystische Atmosphäre. Diese geheimnisvolle Stimmung vertiefen Paeffgen und Dill in kurzen, freien Zwischenspielen, bei denen man sich wünscht, in die Schweizer Alpen versetzt zu werden. In diesen Passagen reizen die beiden Musiker die Klangmöglichkeiten ihrer großartig harmonierenden Instrumente voll aus. Dills Begleitakkorde klingen dabei wie ein satter, zufriedener Bär vor dem Winterschlaf. Bei der abschließenden Gymnopédie No. 1 von Erik Satie schnarcht der Bär dann gemütlich in seiner Höhle, begleitet von den Traumtupfen des Hackbretts.
"Légendes d'Hiver" (Spielzeit: 43:45 Minuten) ist der beste Soundtrack ohne Film der Wintersaison 2010/11! Erhältlich ist die CD über die Homepage

HACKBRETT, 1/2011